Lightroom mit einem MIDI-Controller steuern

Ich erinnere mich gerne an die vielen, vielen Stunden, die ich in den ersten 10 Jahren meiner Fotografenkarriere in der Dunkelkammer verbracht habe. Es gab ja auch viel zu tun: Ansetzen der Chemikalien, Filmmaterial in die Entwicklungsdosen einspannen, diese dann immer schön im 30 bis 60-Sekunden-Rhythmus kippen, das Filmmaterial trocknen, Kontaktbogen erstellen, Bildauswahl vornehmen und natürlich die Vergrößerung der Fotografien. Nicht selten habe ich mich ganze Tage lang eingeschlossen, das Radio eingeschaltet und mit Begeisterung an den Fotos gearbeitet. Und heute? Alles findet digital vor dem Computer statt. Das geht schneller, ist effizienter und – ehrlich gesagt – qualitativ um Längen besser als die Bildqualität, die analoge Kameras liefern konnten und können. Die Software, die die RAW-Sensordaten der Kamera in Bilder umwandelt, ist die digitale Form der Dunkelkammer. Ich für meinen Teil nutze hierfür aktuell Adobe Lightroom. Lightroom bietet für die digitale Entwicklung ein ganzes Arsenal an Werkzeugen, hauptsächlich sind dies Schieberegler. Aber nach 30 Bildern ist es schon ziemlich ermüdend, die einzelnen Regler immer und immer wieder mit der Maus anzusteuern und die Werte durch Schieben/Ziehen für jedes Foto individuell einzustellen. Angesichts der Vielzahl der Regler lassen diese sich nicht wirklich direkt mit der Computertastatur steuern, man kann leider nur alle der Reihe nach durchschalten. Das ist keine Option für mich und meinen Workflow.

Eine deutlich komfortablere Lösung für die Bedienung der Regler ist ein MIDI-Controller mit entsprechenden Drehreglern, eine Art Mischpult aus dem Musikbereich. Ich habe mir den BeatStep von Arturia gekauft und nun einen halben Tag lang eingerichtet. Mittlerweile läuft die Kombination BeatStep <> Lightroom relativ zufriedenstellend und Lightroom läßt sich nun über 16 Drehregler (und ebensoviele Tasten) in fast allen Funktionen steuern. Dafür bedarf es eines kleinen PlugIns für Lightroom (MIDI2LR), ein wenig Internetrechercheb (wie die Hardware und das PlugIn einzustellen sind, so dass das Zusammenspiel auch funktioniert) und natürlich etwas Überlegung, wie die Regler und Tasten des Controllers sinnvoll belegt werden können (da jede Taste und jeder Regler mit bis zu 16 unterschiedlichen Funktionen belegt werden kann, sollte man tatsächlich mit einem auf den eigenen Workflow abgestimmten Plan an die Sache herangehen). Der letzte Punkt ist wahrscheinlich der zeitaufwändigste.

Ich habe aktuell den Controller 4fach belegt. D.h., im Belegungsplan 1 steuern die Drehregler z.B. Belichtung, Kontrast und Helligkeit der Fotos. Geht es im Anschluß an die farbliche Feinabstimmung, kommen die Belegungspläne 2 und 3 zum Einsatz, da hier die Regler einzelne Farbbereiche (Lightroom bietet davon acht an) steuern – und zwar jeweils für Helligkeit, Sättigung, Farbton sowie die s/w-Umwandlung der einzelnen Farbkanäle. Belegungsplan 4 steuert dann Schärfe, Vignettierung und das Rauschen. Zwischen den einzelnen Belegungsplänen (sog. „Presets“) läßt sich mittels Recall-Taste + Nummer des Presets schnell umschalten. Leider zeigt der BeatStep nicht dauerhaft an, in welchem Preset man sich gerade befindet, aber das ist zu verschmerzen.

Die ersten Bilder habe ich als kleinen Test mit dem BeatStep schon eingestellt – und es funktioniert. Ab und zu hakte Lightroom mal kurz und ein einziges Mal auch etwas länger. Ohne das aktivierte PlugIn hatte ich auf meinem Mac Mini 2018 mit i7 bisher keine derartigen Probleme. Aber im Großen ud Ganzen sehe ich überwiegend die Vorteile, vor allem die Schieberegler in der Software tatsächlich auch mit echten (Dreh-)Reglern zu steuern. Ganz auf die Maus verzichten kann man zwar nicht (die braucht man sinnvollerweise, z.B. um einen Ausschnitt einzustellen oder eine asymmetrische Perspektivkorrektur vorzunehmen), aber die Reglerarbeit geht in der Tat schneller von der Hand. Zwar habe bis jetzt nur sehr kurz mit dem BeatStep gearbeitet, aber das ging ganz gut und ich werde versuchen, das Gerät in meinen Workflow fest zu integrieren. Größte Herausforderung dabei dürfte sein, die 4fache Belegung der Regler und Tasten zu verinnerlichen.