Wir bringt man einen Fotografen zum Lächeln?

Macht glücklich: ein wirklich stabiles Galgenstativ

Normalerweise spielt es keine Rolle, wie der Fotograf gerade guckt – wir verstecken uns ja doch meistens hinter der Kamera. Da fiel es bisher auch kaum auf, dass ich manchmal mit skeptischem Blick in meinem Studio stand. Und zwar immer dann, wenn über mir ein mehrere Kilogramm schweres Blitzlicht baumelte, gehalten von einem Galgenstativ der leichteren Art. Für die, die sich in der Fotowelt nicht ganz so gut auskennen: sog. Galgenstative besitzen einen horizontalen Auslegearm, der es ermöglicht, eine Lichtquelle direkt über der Kamera zu positionieren, ohne dabei das Stativ direkt vor der Linse zu haben. Die Lösung ist grundsätzlich toll, aber u.U. auch eine ziemlich wackelige Geschichte. So eine Lichtquelle hat – vor allem bei ausgezogenem Ausleger – durchaus eine gewisse Hebelwirkung, so dass immer auch ein Gegengewicht am Stativ befestigt werden muß. Meine bisherige Lösung hat mich über 10 Jahre begleitet, aber so richtig wohl war mir dabei selten. Die ganze Konstruktion geriet recht schnell in Schwingung und damit bestand die Gefahr des Umfallens.

Nun war es also an der Zeit, einmal Nägel mit Köpfen machen, schließlich hält ein wirklich gutes Stativ ja auch ein halbes Fotografenleben lang. Nach ein wenig Recherche bin ich auf das Avenger A4050CS gestoßen, einem 15kg-Koloss aus Stahl mit doppelter Funktionalität. Das Stativ läßt sich als „normales“ Stativ verwenden und erreicht dann mit vollem Auszug eine Höhe von schlappen 5 Metern. Durch einen Drehmechanismus lassen sich aber die oberen zwei Auszüge auch quer drehen. Damit erhält der Fotograf ein Galgenstativ von beeindruckender Stabilität. Nichts wackelt mehr! Das Stativ ist praktisch komplett aus Stahl gefertigt und scheint dementsprechend unverwüstlich, alleine das Eigengewicht sorgt so für einen ruhigen Stand. Die passenden Reifen, um das Stativ auch bequem positionieren zu können, sind angesichts des Gesamtgewichts mit Lichtquelle und Gegengewicht ein absolutes Muß – leider werden diese jedoch nicht mitgeliefert und müssen nachgekauft werden. Die maximale Belastung liegt bei 30kg (im „Standardstativ-Modus“), mit Ausleger liegt die maximale Zuladung bei 8kg. Wird der Ausleger komplett ausgezogen, sinkt die maximale Belastbarkeit entsprechend und man dürfte geschätzt bei ca. 3kg landen. Dies erscheint nicht wirklich viel, aber verdeutlicht ungefähr, welcher Konstruktionsaufwand beim Galgenstativ zum sicheren Halt eines Studioblitzes nötig ist.

Spätestens hier relativieren sich auch die Kosten für das Avenger A4050CS. Zusammengerechnet kostete mich das Stativ ca. 500€ vor Steuern (360€ das Stativ, 130€ die Reifen, 25€ der Drop Down-Pin). Gegenüber der allgemein als Platzhirsch angesehenen günstigeren Variante von Manfrotto immerhin ein Aufschlag von gut 300€. Jedoch hat das Manfrotto keine Rollen und die Belastbarkeit ist deutlich geringer und eher für kleine Aufsteckblitze mit aufgesteckter Softbox geeignet, keinesfalls aber für „große“ Studioblitze mit Akku und großem Reflektor. Wählt man ein von der Belastung halbwegs vergleichbares Manfrotto-Galgenstativ, liegt man auf ähnlichem Preisniveau. Dies verwundert auch nicht wirklich, schließlich ist Avenger eine Manfrotto-Produktlinie.

Wenn ich demnächst im Studio wieder das Galgenstativ nutze, werde ich mir ein Lächeln nicht verkneifen können. Endlich dürfte das latente Gefühl, gleich vom Studioblitz erschlagen zu werden, Geschichte sein…